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DNJF Düsseldorf 2011
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Norwegen ist mein zweites Zuhause...Norwegen ist mein zweites Zuhause...

...und das liegt vor allem an den tollen Menschen, die ich dort kennen lernen durfte.

Nach dem Abi war ich für zehn Monate in Drammen mit dem Europäischen Freiwilligendienst. Vor dieser Zeit kannte ich Norwegen nur aus dem Urlaub und wollte unbedingt länger in diesem Land leben, um auch die Menschen kennen zu lernen. Mein Traumprojekt war in einem kleinen Dorf an der Westküste direkt am Fjord, das sich komplett selbst versorgt und im Einklang mit der Natur lebt. Überhaupt war die Natur einer der Hauptgründe für mich nach Norwegen zu gehen. Stattdessen landete ich dann aber in der wohl hässlichsten Stadt Norwegens: Drammen. Das war letztendlich aber Nebensache, weil ich unglaublich tolle Menschen kennen gelernt habe, die mich bis heute sehr prägen.

Mein Projekt war eine alternative Schule, das sogenannte Arbeidsinstituttet, die Jugendliche besuchen, die weder auf eine „normale“ Schule gehen können noch eine Ausbildung anfangen können, weil sie schlechte Erfahrungen mit ihren Eltern oder der Schule gemacht haben. Die Jugendlichen können in vier unterschiedlichen Workshops arbeiten: Kunst, Tischlerei, Küche und Auto-
werkstatt. Ich habe in allen Workshops jeweils 2-3 Monate geholfen und versucht, die Jugendlichen in ihrer Arbeit zu unterstützen, ihnen Selbst-
vertrauen zu geben und vor allem einfach für sie da zu sein und mit ihnen
zu reden.

Sprachprobleme?

Gerade am Anfang war das nicht leicht, weil ich der norwegischen Sprache noch nicht mächtig war und die Jugendlichen kaum Englisch konnten. Innerhalb eines Monats lernte ich die norwegische Sprache zu verstehen und nach drei Monaten konnte ich mich ohne Probleme sehr gut unterhalten. In den letzten Monaten haben die Norweger mir nachgesagt, dass ich von einer Muttersprachlerin kaum noch zu unterscheiden sei, das war natürlich ein tolles Kompliment! Die Sprache brachte ich mir zum größten Teil selber bei, indem ich einfach sehr viel zuhörte und das Gehörte aufschrieb. Nach zwei Monaten bekam ich eine tolle Norwegischlehrerin, die mich einen Monat lang zweimal die Woche unterricht hat. Sie ist eine sehr gute Freundin geworden und wir haben auch heute noch guten Kontakt. Sie hat mich in jeder Hinsicht unterstützt, denn es war nicht immer leicht für mich mit den schwierigen Jugendlichen umzugehen und sie immer wieder zu motivieren. Beispielsweise habe ich im Workshop Küche eine deutsche Woche organisiert und deutsches Essen mit den Jugendlichen gekocht, u.a. Kartoffelpuffer, Käsespätzle und Quarkkrümeltorte. Sie fanden das Essen scheußlich und haben sich geweigert es zu essen oder nur zu probieren. Das Essen war sehr lecker aber es war ihnen fremd und deshalb mit Ängsten verbunden.

Mein Arbeitsalltag

Nachdem ich die Sprache gelernt hatte, konnte ich auch für die Jugendlichen viel mehr da sein. Es war ein tolles Gefühl, das Vertrauen einiger von ihnen zu gewinnen und sie über ihre Grenzen zu bringen. Zum Beispiel bin ich mit einer sehr ängstlichen Schülerin Cathrine am Ende meiner Freiwilligenzeit regelmäßig große Rampen mit Inline skates runtergefahren, das hat ihr ganz viel Selbstbewusstsein gegeben.

Zum Ausgleich neben der Tätigkeit am Arbeidsinstituttet habe ich freiwillig an zwei Vormittagen an einer videregående skole (Gymnasium) im Deutschunterricht assistiert. Das hat mir viel Spaß gemacht, weil die Schüler sehr motiviert waren und Lust hatten Deutsch zu lernen. Außerdem war es spannend, einen Einblick in das norwegische Schulsystem zu bekommen. Ich fand das Schüler-Lehrer Verhältnis sehr entspannt, weil die Schüler die Lehrer duzen können und kein Hierarchiegefühl vorhanden ist.

Am Wochenende habe ich noch freiwillig in einem Musikclub gearbeitet und konnte dafür die Konzerte umsonst sehen. Dadurch habe ich auch viele junge nette Leute kennen gelernt. Entscheidend waren für mich jedoch meine Kollegen im Arbeidsinstituttet, die ein ganz besonderer Menschenschlag sind. Ich habe zwei Freunde unter ihnen gefunden und bin sehr dankbar dafür. Nach meiner Freiwilligenzeit in Drammen war ich zweimal dort und wurde unglaublich herzlich von den Leuten empfangen. Das war einfach sehr schön. An Norwegern schätze ich vor allem ihre Ehrlichkeit. Es ist nicht leicht mit ihnen näher in Kontakt zu kommen, aber wenn man es schafft, hat man Freunde fürs Leben.

Im letzten Sommer wollte ich mein ursprüngliches Traumprojekt mit der Selbstversorgung in der Natur ansatzweise nachholen, indem ich über WWOOF für zwei Wochen einer norwegischen Familie in Voss an der Westküste bei der Heuernte auf einem Bauernhof helfen wollte. Leider hat es fast die ganze Zeit geregnet, so dass ich mich stattdessen um die Kinder kümmerte und ihnen tolle norwegische Kinderbücher vorlas.

Kulturelle Unterschiede

Während meines Freiwilligendienstes ist mir zum ersten Mal aufgefallen, das ich Deutschland mag, und das nicht nur wegen des tollen Brotes. Zu dieser Zeit bin ich mir meiner deutschen Identität bewusst geworden und habe auch kulturelle Unterschiede festgestellt. So grüßt man beispielsweise in Norwegen nicht, wenn man sich in das Wartezimmer eines Arztes setzt oder man entschuldigt sich nicht, wenn man jemanden im Bus anrempelt. Das habe ich zu dieser Zeit als sehr unhöflich empfunden und einige Diskussionen mit Freunden darüber geführt. Erst später habe ich verstanden, dass Norweger sich auf der anderen Seite bedrängt und unwohl fühlen, wenn man sie direkt anspricht und es sogar als rücksichtslos empfinden.
Andererseits bedanken Norweger sich viel häufiger als Deutsche, für das Essen, für den Tag oder für das letzte Mal, wo man sich gesehen hat.

Zukunftspläne

Zurzeit studiere ich noch Skandinavistik, möchte jetzt jedoch Lehrerin werden und trotzdem den Kontakt zu Skandinavien und insbesondere Norwegen aufrechterhalten. Für das kommende Wintersemester habe ich glücklicherweise einen Studienplatz in Trondheim bekommen und freue mich wahnsinnig darauf. Die Stadt habe ich für mich entdeckt, als ich nach dem Freiwilligendienst einen Monat mit meinem Freund durch Nordnorwegen gewandert bin und auf der Rückreise einen Zwischenstopp in Trondheim gemacht habe. In Nordnorwegen erlebten wir einige Male sehr gastfreundliche Menschen, die für uns kochten oder ihren Garten als Zeltplatz zur Verfügung stellten. Trondheim hat auf mich einen sehr lebendigen Eindruck gemacht und scheint für Studenten ideal zu sein. Neben dem Studium an der Universität würde ich dort sehr gerne ein Praktikum an einer Schule machen.

Nach dem Studium kann ich mir sehr gut vorstellen für ein paar Jahre in Norwegen zu leben und dort als Lehrerin zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass Norweger grundsätzlich entspannter sind als Deutsche und das es leichter ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Norwegische Arbeitgeber habe ich stets als sehr verständnisvoll erlebt, was zum Beispiel Schwangerschaftsurlaub oder kranke Kinder angeht.

Norwegen ist ein ganz wichtiger Teil von mir geworden, den ich nicht mehr missen möchte.
Ich fühle mich dem Land, meinen Freunden dort und der Sprache sehr verbunden und freue mich auf die Zeit in Trondheim.

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