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Vielfalt im „Dolmetschermantel“
Die Dolmetscherin Julia Stöber beeindruckt immer wieder mit ihren rasanten Fähigkeiten und ihrer Ausstrahlung. Doch was steckt wirklich hinter diesen voller Ideen und Begeisterung funkelnden Augen?
Um ihre Nervosität zu überwinden, stellt sich die 32-jährige Julia Stöber vor, ihren „Dolmetschermantel“ anzulegen. Ab jetzt zählt nur noch das korrekte Übermitteln der Redeinhalte an das Publikum. Von Deutsch auf Norwegisch und von Norwegisch auf Deutsch. Doch die Nervosität ist nicht die einzige Hürde in ihrem anspruchsvollen Beruf. Über ihren Weg zur Dolmetscherin sagt sie, dass er nicht immer geradlinig verlaufen sei. Nach den Studien Skandinavistik, Philosophie und Betriebswirtschaftslehre in Bonn verbrachte Julia sechs Monate in Oslo und lernte dort Norwegisch. „Das ist genau die richtige Sprache für mich“, sprudelt es selbstbewusst aus ihr heraus. Also widmete sie sich weiterhin verstärkt dieser Kultur und Sprache. Während ihrer Zeit in Tromsø wurde sie von der dortigen Botschaft angefragt, ob sie sich vorstellen könne, zu dolmetschen. So fing ihre „Karriere“ an.
MM: Mit welchen Herausforderungen wirst Du in deinem Beruf konfrontiert?
Julia Stöber: Beim Dolmetschen muss man schnelle Entscheidungen treffen, was manchmal unter anderem auch sehr stressig sein kann. Außerdem darf man keine eigene Meinung haben, denn ich muss alles genau so wiedergeben wie der Redner es sagt. Auch wenn es mir manchmal nicht gefällt. Oder wenn jemand nicht aufhört zu reden, dann kann ich mir nichts mehr merken. Von Fall zu Fall tauchen unbekannte Wörter auf, bei denen ich Schwierigkeiten habe sie zu übersetzen.
MM: Wie überwindest Du diese Barrieren?
Julia Stöber: Natürlich muss ich die beiden Sprachen perfekt beherrschen. Gute Technik und Organisation erleichtern das Ganze auch. Und was immer sehr wertvoll ist, sind gute Kollegen, an die man sich wenden kann.
MM: Du bist ja hier als Vorsitzende des Lenkungsausschusses des DNJF. Wie kam es denn eigentlich zu diesem Forum? Und welche Grenzen mussten überwunden werden, bis es so weit war?
Julia Stöber: Die Idee kam vom Norwegischen Außenministerium, um die deutsche Sprache in Norwegen zu stärken. Dafür haben sie dann Partner gesucht und am Schluss waren dann E.On, StatoilHydro, das Deutsche Außenministerium, das Norwegische Bildungsministerium und das German Norwegian Network dabei. Das war auch die höchste Hürde: nicht allein da zu stehen, sondern diese Idee gemeinsam zu verwirklichen. Eine Herauforderung ist auch immer die Anreise, alle Jugendlichen an den Veranstaltungsort zu bekommen. Deshalb findet das Forum einmal in Norwegen und dann in Deutschland statt.
MM: Das Motto des diesjährigen DNJF ist ja „Durch die Wand. Grenzen überwinden, neue Wege gehen.“ Was war Dein persönliches „Durch die Wand“ -Erlebnis?
Julia Stöber: Das Dolmetschen ohne Ausbildung in Deutschland. Ich musste dann russische Seminare besuchen, um die Technik zu lernen, obwohl ich kein Russisch kann. Die Prüfung habe ich dann in Norwegen abgelegt. So bin ich persönlich durch die Wand gegangen.
MM: Vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast.
KatrinaAileen Mæland, Ayse Kizilkulak, Ancilla Plohmann


